Zum Inhalt springen NeuDer Verbandwechsel — der Fachbrief der MM Wunde GmbH für Fachkreise, ab Oktober jeden MonatAnsehen
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Wundwissen

Die chronische Wundewenn eine Wunde stehen bleibt

Eine Wunde, die nach vier bis zwölf Wochen nicht deutlich kleiner geworden ist, gilt als chronisch. Das ist kein Zeichen von Pech — es steckt fast immer eine Ursache dahinter, die man finden kann.

Montag bis Freitag, 8:00 – 16:30 Uhr

Diese Seite erklärt Zusammenhänge. Sie ersetzt keine ärztliche Untersuchung und enthält keine Behandlungsempfehlung. Was im Einzelfall richtig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Grundlage

Wundheilung läuft in vier Phasen ab

Eine gesunde Wunde durchläuft vier Abschnitte, die ineinander übergehen. Wer weiß, welcher Abschnitt gerade dran ist, versteht auch, warum eine Wunde gerade so aussieht, wie sie aussieht.

1. Reinigungsphase (etwa Tag 0 bis 4)

Der Körper stillt die Blutung, es entsteht eine Entzündung, und die Wunde reinigt sich selbst. In dieser Zeit nässt sie am stärksten. Eine Entzündung ist hier zunächst normal und kein Fehler.

2. Granulationsphase (etwa Tag 4 bis 14)

Neues Gewebe wächst von unten nach. Es sieht rot, feucht und leicht glänzend aus und ist empfindlich. Ziel ist, es feucht zu halten und nicht zu verletzen.

3. Epithelisierung (ab etwa Tag 8)

Vom Wundrand her wächst neue Haut über die Wunde. Sie ist zart und rosa. Der Rand entscheidet jetzt mit darüber, ob es weitergeht.

4. Reifung (Wochen bis Monate)

Die Narbe wird fester und belastbarer. Die Haut ringsum bleibt lange empfindlich und braucht Pflege.

Schaubild

Die vier Phasen auf einen Blick

Die vier Phasen der WundheilungEine Kette aus vier Gliedern. Erstens Reinigung, Tag null bis vier, viel Sekret. Zweitens Granulation, Tag vier bis vierzehn, neues Gewebe. Drittens Epithelisierung, ab Tag acht, neue Haut waechst vom Rand. Viertens Reifung, Wochen bis Monate, die Narbe wird fester. Darunter der Hinweis: Eine chronische Wunde bleibt in Phase eins stecken und kommt nicht in die Granulation. Deshalb wird die Ursache gesucht und nicht der Verband gewechselt.1. ReinigungTag 0-4viel Sekret2. GranulationTag 4-14neues Gewebe3. Epithelisierungab Tag 8neue Haut vom Rand4. ReifungWochen-MonateNarbe wird festerSo läuft Wundheilung, wenn sie läuftChronisch: Die Wunde bleibt in Phase 1 stecken.Sie kommt nicht in die Granulation — deshalb wird die Ursache gesucht, nicht der Verband gewechselt.
Die Kette zeigt den erwarteten Verlauf. Eine chronische Wunde verlässt die erste Phase nicht — sie bleibt entzündet und belegt, statt neues Gewebe zu bilden. Genau deshalb wird bei einer chronischen Wunde zuerst nach der Ursache gesucht und nicht der Verband gewechselt.
Der entscheidende Punkt

Eine chronische Wunde bleibt in Phase 1 stecken

„Sie kommt über die Reinigungsphase nicht hinaus."
Die Wunde bleibt entzündet, belegt und nässend, statt Granulationsgewebe zu bilden. Das ist die eigentliche Definition — nicht die Größe der Wunde und nicht, wie schlimm sie aussieht.
„Der Verband ist dann selten die Ursache."
Wenn eine Wunde stehen bleibt, liegt es meist an etwas anderem: an der Durchblutung, an anhaltendem Druck, an einer Infektion oder an einer Grunderkrankung. Nur den Verband zu wechseln, ändert daran nichts.
„Deshalb wird zuerst die Ursache gesucht."
Die Frage lautet nicht „welche Auflage“, sondern „warum steht sie“. Diese Reihenfolge ist der Unterschied zwischen einer versorgten und einer behandelten Wunde.
Ursachen

Vier Grunderkrankungen stecken besonders oft dahinter

Sie bestimmen, was hilft — und vor allem, was schaden würde.

Venenschwäche (chronisch-venöse Insuffizienz)

Das Blut staut sich in den Beinvenen, Gewebe und Haut werden schlechter versorgt. Typisch sind Schwellungen und Wunden im Bereich zwischen Knöchel und Wade.

Mehr zum offenen Bein

Arterielle Durchblutungsstörung (pAVK)

Die Schlagadern sind verengt, das Gewebe bekommt zu wenig Sauerstoff. Solche Wunden sind oft trocken, blass und schmerzhaft — und sie vertragen manches nicht, was sonst hilft.

Der Unterschied ist entscheidend

Diabetes mellitus

Zucker schädigt über Jahre Nerven und kleine Gefäße. Die Folge: Druckstellen werden nicht gespürt und heilen schlechter.

Zum diabetischen Fuß

Anhaltender Druck

Wer sich nicht selbst bewegen kann, drückt dauerhaft auf dieselbe Stelle über einem Knochen. Das Gewebe darunter stirbt ab — oft von innen nach außen.

Zum Dekubitus
Schaubild

Was die Farbe im Wundbett bedeutet

Was die Farbe im Wundbett bedeutetVier Farbfelder. Schwarz bedeutet abgestorbenes Gewebe. Gelb bedeutet Belag und ist nicht dasselbe wie Eiter. Rot bedeutet neues Gewebe und ist ein gutes Zeichen. Rosa bedeutet neue Haut, die vom Rand her waechst. Hinweis: Meist liegt mehr als eine Farbe vor; maßgeblich ist die Farbe, die ueberwiegt, zusammen mit der Menge der Fluessigkeit.Was die Farbe im Wundbett bedeutetSchwarzabgestorbenes GewebeGelbBelag, kein EiterRotneues Gewebe — gutRosaneue Haut vom RandMeist liegt mehr als eine Farbe vor. Maßgeblich ist die Farbe, die überwiegt — zusammen mit der Menge der Flüssigkeit.
Die Farbe sagt, welches Gewebe überwiegt — und nur das. Gelber Belag ist häufig abgestorbenes Gewebe und nicht automatisch Eiter. Rot ist ein gutes Zeichen: Dort wächst neues Gewebe.
Was beurteilt wird

Was eine Fachkraft bei jedem Besuch ansieht

  • Größe in Länge, Breite und Tiefe — gemessen, nicht geschätzt
  • Taschen und Unterminierungen, also ob die Wunde unter der Haut weitergeht
  • Das Gewebe im Wundbett und welche Farbe überwiegt
  • Menge und Beschaffenheit der Flüssigkeit, die austritt
  • Wundrand und die Haut ringsum — aufgeweicht, trocken oder gerötet
  • Schmerz, Geruch, Lage der Wunde und wie lange sie schon besteht
  • Die Grunderkrankung — sie steht über allem anderen
Für Pflege und Praxis

Der Verbandwechsel — unser Fachbrief

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Häufige Fragen

Was Angehörige uns dazu fragen

Ab wann ist eine Wunde chronisch?

Wenn sie nach etwa vier bis zwölf Wochen nicht deutlich kleiner geworden ist. Entscheidend ist nicht der Kalender allein, sondern ob überhaupt Fortschritt zu sehen ist.

Der Belag in der Wunde ist gelb. Ist das Eiter?

Nicht unbedingt. Gelblicher Belag ist häufig abgestorbenes Gewebe und gehört zum Verlauf. Eitriges, trübes oder übel riechendes Sekret zusammen mit Rötung, Wärme und zunehmendem Schmerz spricht dagegen für eine Infektion — das gehört ärztlich beurteilt.

Muss eine Wunde an der Luft trocknen?

Nein, das ist ein hartnäckiger Irrtum. Neues Gewebe wächst in einem feuchten Milieu, nicht unter einem Schorf aus Trockenheit. Wie feucht es sein soll, hängt allerdings von der Wunde ab — und es gibt Ausnahmen, bei denen trocken richtig ist.

Wie oft muss der Verband gewechselt werden?

So oft, wie es die Wunde verlangt — nicht nach festem Rhythmus. Ist der Verband durchnässt oder undicht, war er zu früh gesättigt. Ein Verband, der zu selten gewechselt wird, ist genauso ein Problem wie einer, der zu oft gewechselt wird.

Kann man eine chronische Wunde zu Hause versorgen?

In vielen Fällen ja, wenn die Ursache ärztlich geklärt ist und jemand die Versorgung fachlich begleitet. Genau das ist unsere Aufgabe: Wir kommen dorthin, wo die Menschen leben.

Eine Wunde, die seit Wochen steht?

Dann ist die wichtigste Frage nicht, welcher Verband draufkommt, sondern warum sie steht. Wir sehen sie uns an — nach ärztlicher Verordnung, bei Ihnen zu Hause.

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