Das diabetische Fußsyndromdie Wunde, die nicht wehtut
Bei langjährigem Diabetes werden die Nerven im Fuß unempfindlich. Genau das macht es gefährlich: Eine Druckstelle wird nicht gespürt — und deshalb weiter belastet, bis daraus eine tiefe Wunde wird.
Montag bis Freitag, 8:00 – 16:30 Uhr
Diese Seite erklärt Zusammenhänge und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Eine Wunde am Fuß gehört bei Diabetes immer und zeitnah ärztlich angesehen.
Drei Dinge kommen zusammen
Die Nerven melden nichts mehr. Ein zu enger Schuh, ein Steinchen, eine Falte im Strumpf — normalerweise merkt man das sofort. Bei geschädigten Nerven nicht. Die Belastung geht weiter, Stunde um Stunde.
Die Durchblutung ist oft schlechter. Diabetes schädigt auch die Gefäße. Gewebe, das ohnehin knapp versorgt wird, verträgt zusätzlichen Druck noch schlechter.
Die Abwehr ist geschwächt. Infektionen breiten sich schneller aus und werden später bemerkt, weil auch die Warnzeichen schwächer ausfallen.
Typisch ist deshalb eine Wunde an einer Druckstelle — unter dem Fußballen, an der Ferse, an einer Zehe — oft unter einer verhornten Stelle, die harmlos aussieht.
Was im Alltag wirklich zählt
- Die Füße täglich ansehen — auch zwischen den Zehen, notfalls mit einem Spiegel oder mit Hilfe
- Schuhe vor dem Anziehen mit der Hand ausfühlen, nicht nur hineinschauen
- Keine Wärmflasche und kein heißes Fußbad — die Temperatur wird nicht zuverlässig gespürt, Verbrennungen sind häufig
- Verhornungen und Nägel fachlich versorgen lassen, nicht selbst mit Hornhauthobel oder Schere
- Neue Druckstellen, Blasen oder Rötungen sofort melden, nicht abwarten
- Regelmäßige Fußuntersuchung in der behandelnden Praxis wahrnehmen
Entlastung ist der zentrale Punkt
Eine Wunde, die weiter belastet wird, kann nicht zugehen — egal, was für ein Verband darauf liegt. Deshalb steht bei dieser Wundart die Entlastung der betroffenen Stelle an erster Stelle. Wie das geschieht, wird ärztlich und fachlich festgelegt.
Daneben gehören die Durchblutung und eine mögliche Infektion abgeklärt. Beides kann über den weiteren Verlauf entscheiden und beides ist ärztliche Sache.
Unsere Aufgabe in diesem Gefüge ist klar begrenzt: Wir versorgen nach Verordnung, dokumentieren den Verlauf und melden Veränderungen sofort zurück — gerade hier, wo Warnzeichen leise sind.
Drei Dinge, die zusammenkommen
Notfall: Eine Wunde am Fuß mit Rötung, Schwellung, Überwärmung, übel riechendem Sekret oder Fieber gilt bei Diabetes als dringend. Ebenso eine Wunde, aus der heraus sich Knochen oder Sehne tasten lassen. In solchen Fällen nicht bis zum nächsten Termin warten — sofort ärztliche Hilfe holen.
Der Verbandwechsel — unser Fachbrief
Mehr davon, einmal im Monat auf einer Seite: eine Versorgungssituation, ein Handgriff für den Alltag, eine Regel zu Verordnung oder Expertenstandard.
- Geschrieben für Pflegeleitungen, Pflegefachkräfte, MFA und Entlassmanagement
- Kein Werbebrief — nützlich auch ohne Zusammenarbeit
- Kostenlos und jederzeit abbestellbar
Was uns dazu gefragt wird
Es tut nicht weh — ist es dann harmlos?
Nein, im Gegenteil. Gerade das fehlende Schmerzempfinden ist das eigentliche Risiko, weil die Belastung weitergeht und die Wunde unbemerkt tiefer wird. Ein fehlender Schmerz ist hier kein gutes Zeichen.
Darf ich mit der Wunde auftreten?
Das entscheidet die behandelnde Praxis zusammen mit dem Fachpersonal. Als Grundsatz gilt: Eine Wunde, auf die weiter getreten wird, hat kaum eine Chance. Deshalb wird Entlastung immer mitbesprochen.
Kann ich die Hornhaut selbst abtragen?
Bitte nicht. Bei geschädigten Nerven wird zu tief gearbeitet, ohne dass man es merkt. Das ist ein häufiger Anfang einer Wunde. Fußpflege gehört bei Diabetes in fachliche Hände.
Wer kümmert sich um so eine Wunde?
Im Zusammenspiel: die behandelnde Praxis oder ein Fußbehandlungsteam für Diagnose und Therapie, eine Fachkraft für die Versorgung vor Ort. Wir übernehmen den Versorgungs- und Dokumentationsteil nach Verordnung.
Wunde am Fuß bei Diabetes?
Zuerst in die Praxis — das ist kein Fall zum Abwarten. Für die Versorgung danach sind wir da, zu Hause oder in der Einrichtung.
Rückruf anfordern